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Proneurotensin (pro-NT)  -  ein Hormon beeinflusst das Risiko einer Brustkrebserkrankung

Brustkrebs

Im Laufe ihres Lebens entwickelt jede achte Frau in Deutschland Brustkrebs, pro Jahr etwa 75.000 Patientinnen. Brustkrebs ist damit die häufigste Art der Krebserkrankung für Frauen und stellt zudem die häufigste Ursache aller Krebssterbefälle bei Frauen dar. Vielfältige Maßnahmen wie z.B. Tastuntersuchungen oder Mammographie-Screening zielen auf eine Früherkennung, um frühzeitige Behandlungsmaßnahmen zu ermöglichen.

Zusätzlich gibt es Faktoren, die das Risiko der Brustkrebsentwicklung erhöhen. Hierzu gehören z.B. das Alter, Eintritt der ersten Regel bzw. Menopause, Dichte des Brustgewebes, genetische Veränderungen sowie Lebensgewohnheiten, welche anhand empirischer Modelle zur Berechnung des individuellen Brustkrebs-Risikos herangezogen werden.

 

Generelle Brustkrebs-Erkrankungsrisiko

Frauen im Alter von

in den nächsten 10 Jahren

jemals

35 Jahren

0.9 % (1 von 100)

12.9 % (1 von 8)

45 Jahren

2.1 % (1 von 47)

12.2 % (1 von 8)

55 Jahren

3.2 % (1 von 31)

10.5 % (1 von 10)

65 Jahren

3.7 % (1 von 27)

7.8 % (1 von 13)

75 Jahren

3.1 % (1 von 32)

4.9 % (1 von 21)

Lebenszeitrisiko

12.9 % (1 von 8)

 

Tabelle 1:

Quelle: Krebs in Deutschland 2009/2010. 9.Ausgabe. Hrsg.: Robert-Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. Berlin, 2013.

 

Neurotensin

Ein neuer Bluttest liefert zusätzliche Informationen zu den bisher bekannten Risikofaktoren.

Neurotensin ist ein Peptid aus 13 Aminosäuren. Die Bildung des Neurotensins erfolgt in den N-Zellen des Dünndarms sowie im Zentralnervensystem. Neurotensin, dessen Freisetzung durch tierische Fette und Zucker maßgeblich beeinflusst wird, wirkt u.a. als Sättigungshormon.

Neurotensin und sein NT1-Rezeptor werden von malignen Brustkrebszellen unabhängig vom Hormon-Rezeptor-Status überexprimiert. Die

NT1-Rezeptor-Aktivierung durch Neurotensin induziert die Exprimierung des EGF-Rezeptor und bewirkt ein unkontrolliertes, invasives Zellwachstum durch Verhinderung der Apoptose von

Brustkrebszellen. Neurotensin stimuliert das Brustkrebszellwachstum und wird, unter anderem für Brustkrebszellen, als anti-apoptotisch wirkend beschrieben.

Neurotensin ist in vivo und in vitro instabil, so dass dessen direkte Bestimmung für die Laborroutine nicht geeignet ist.

Proneurotensin 1-117 (pro-NT) ist ein stabiles Fragment des Neurotensin-Vorläufer Moleküls und stellt damit einen, auch in der Laborroutine einsetzbaren, Surrogatmarker für Neurotensin dar (Abb. 1).

 

      

Abbildung 1: Proneurotensin und Neurotensin

 

Studienergebnisse (Malmö Diet And Cancer Studie – MDC) aus dem Jahr 2012 unter Einbeziehung von knapp 2.000 Frauen mit insgesamt 123 Brustkrebsereignissen im Beobachtungszeitraum von 13,2 bis 15,7 Jahren zeigen, dass erhöhte pro-NT-Konzentrationen im Blut gesunder Frauen mit einem deutlich erhöhten Risiko zur Brustkrebsentwicklung einhergehen (Abb. 2). So ergab sich für Frauen mit hoher Proneurotensin-Konzentration ein etwa 3-fach höheres Risiko, im Laufe der folgenden 10-15 Jahre an Brustkrebs zu erkranken, gegenüber Frauen mit geringer Proneurotensin-Konzentration im Blut. Diese Ergebnisse konnten in einer weiteren Studie (Malmö Prevention Project Studie – MPP, Veröffentlichung in Vorbereitung) eindrucksvoll bestätigt und hinsichtlich der Risikoaussage sogar noch übertroffen werden (knapp 8-faches Risiko zur Brustkrebsentwicklung bei hohen pro-NT Konzentrationen).

Abbildung 2: Risiko der Brustkrebserkrankungen pro 1.000 Frauen

 

Wofür kann man den pro-NT-Test einsetzen?
Die Bestimmung des pro-NT liefert zusätzliche Information zu bisher bekannten Risikofaktoren und übertrifft in seiner Aussagekraft bereits bekannte Risikofaktoren deutlich. Mit der Konzentrationsmessung des pro-NT wird ein objektiv messbarer Zustand im Körper ermittelt, der zwar zum Zeitpunkt der Messung noch kein gesundheitliches Problem darstellen muss, aber über einen längeren Zeitraum die Entwicklung von Brustkrebs begünstigen oder anzeigen kann.

Was sagt mir das Ergebnis des pro-NT-Wertes?
Das über die pro-NT Bestimmung darstellbare relative Risiko ist keine Aussage, ob eine Frau bereits Brustkrebs entwickelt hat oder im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken wird. Es vergleicht die Häufigkeit auftretender Brustkrebserkrankungen zwischen Frauen mit initial geringer bzw. hoher pro-NT Konzentration.

Wie erfolgt die Proneurotensin-Bestimmung?
Für die Konzentrationsbestimmung des Proneurotensin ist lediglich eine einfache Blutentnahme (ein EDTA-Röhrchen) erforderlich. Zwingend erforderlich ist, dass die Blutabnahme nüchtern, d. h. nach einer Nahrungs-, Tabak- und Alkoholkarenz von mindestens 10 h erfolgt. Das EDTA-Blut muss spätestens 20h nach Abnahme im Labor angekommen sein. Falls eine längere Lagerungs- bzw. Transportzeit zu erwarten ist, muss das EDTA-Blut zentrifugiert, abpipettiert und tiefgefroren eingeschickt werden.

Im Labor erfolgt die Messung durch einen Immunoluminometrischen Assay (ILMA) im EDTA-Plasma.

Die Bestimmung von pro-NT kann nicht als Kassenleistung, sondern nur als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angefordert werden.



Veröffentlicht am: 2014-08-05 15:40:18