Allgemeineinformationen

Symptomorientierte Diagnostik von Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen


Infektionen der oberen Atemwege

 

Pharyngitis

Häufige virale Erreger der Pharyngitis sind Adeno-, Corona-, Coxsackie-, Entero-, Parvo-, Respiratory Syncytial Viren (RSV) und Rhinoviren. Auch Influenza- und Parainfluenzaviren sowie Cytomegalieviren und Epstein-Barr-Viren (EBV/ HHV-4) kommen als Verursacher einer Pharyngitis in Frage.

Zu den häufigsten bakteriellen Pharyngitiserregern zählen Haemophilus influenzae, Morxarella catarrhalis, Mycoplasma pneumoniae, Staphylococcus aureus, Streptococcus dysgalactiae, Streptococcus pyogenes, Bordetellen und Chlamydien. Die genannten Erreger werden, mit Ausnahme von Bordetellen, Mycoplasmen und Chlamydien, durch kulturelle Anzucht nachgewiesen und durch molekularbiologische Methoden detektiert.

Das geeignete Untersuchungsmaterial ist Rachenspülflüssigkeit oder ein Rachenabstrich.

Eine Indikation zur mikrobiologischen Untersuchung besteht, wenn zusätzlich zu den Symptomen der akuten Pharyngitis (Schluckschmerz, Trockenheitsgefühl, Brennen) auch Fieber, sichtbare Eiteransammlungen oder Einbeziehung pharynxnaher Strukturen festgestellt werden.

Auch bei einem zusätzlichen Auftreten eines Exanthems oder Enanthems ist eine Diagnostik notwendig. Dabei kann zusätzlich eine Untersuchung auf Masernviren, Humanes Herpes Virus 6, Parvoviren B19, Rötelnviren und Enteroviren indiziert sein. (1)

Tonsillitis

Die akute Tonsillitis kann in jedem Lebensalter auftreten, hat jedoch die höchste Inzidenz bei Kindern im Schulalter.

Häufigste Verursacher der akuten Tonsillitis sind Viren (in ca. zwei Drittel bis drei Viertel der Fälle). Dabei sind vor allem folgende Viren relevant:  humane Adenoviren, EBV, humanes Bocaviren, Influenza- und Parainfluenzaviren, Rhinoviren, Enteroviren einschließlich Coxsackieviren, Coronaviren, RSV und Humane Metapneumoviren.

Unter den bakteriellen Erregern steht Streptococcus pyogenes an erster Stelle. Weitere mögliche Erreger sind z.B. Streptokokken der Gruppen C und G, Haemophilus influenzae, Corynebakterien, Neisserien oder Mycoplasmen.

Eine Indikation zur mikrobiologischen Untersuchung besteht bei Menschen, die älter sind als 14 Jahre, wenn mindestens 3 der im Folgenden genannten Kriterien zutreffen (modifizierter Centor Score/McIsaac Score):           

·         Fieber >38°C

·         geschwollene, schmerzhafte Hals-Lymphknoten

·         entzündete Tonsillen mit Exudat

·         kein Husten.

In dieser Konstellation ist eine Infektion durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A wahrscheinlich.

 

Auch wenn bei modifiziertem Centor Score/ McIsaac Score mit weniger als 3 Punkten initial auf eine mikrobiologische Diagnostik verzichtet wurde, sollte diese im Verlauf durchgeführt werden, wenn sich keine Spontanremission einstellt oder sich ein unilateraler Befund entwickelt.

Das geeignete Untersuchungsmaterial ist der Abstrich von beiden Tonsillen bzw. der lymphatischen Seitenstränge und der Rachenhinterwand, wobei  der Tupfer unter Sicht „reibend-drehend“  geführt wird. Andere Berührungen mit der enoralen Schleimhaut oder dem Speichel sollten möglichst vermieden werden. (2)

Stufenschema der Diagnostik bei Infektionen der oberen Atemwege

Angabe „akute Tonsillitis“:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

+ Untersuchung auf EBV

Angabe „chronische Tonsillitis“:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

+ Untersuchung auf EBV, Cytomegalievirus, Metapneumonievirus

Angabe „Pharyngitis mit Exanthem/Enanthem“:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

+ Untersuchung auf Masernviren, Rötelnvirus, Parvovirus B19, Humanes Herpes Virus 6 und Enteroviren

„Pharyngitis/Infekt der oberen Atemwege“ ohne weitere Angaben:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

 + Untersuchung auf Adenoviren, RSV, Parainfluenzaviren + Untersuchung auf Chlamydia pneumoniae, Mycoplasma pneumoniae, Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis

+ jahreszeitabhängig Untersuchung auf Influenzaviren (Winter) oder Enteroviren (Sommer)

Bei entsprechenden klinischen Hinweisen oder anamnestischen Angaben kann die Untersuchung auch nur für Bakterien ODER Viren, als gezielte Suche nach einem bestimmten Erreger oder um zusätzliche Untersuchungen erweitert durchgeführt werden.

Infektionen der unteren Atemwege

Eine mikrobiologische Diagnostik empfiehlt sich zur kausalen Abklärung bronchitischer bzw. pneumonischer Symptome bei

  • vorangegangener Antibiotikatherapie
  • vorangegangener Krankenhausbehandlung
  • strukturellen Lungenerkrankungen
  • rezidivierenden Erkrankungen
  • Erkrankungen bei eingeschränkter Immunkompetenz
  • bei Hospitalisierung.  (3)

Bronchitis

Eine akute Bronchitis ist eine neu aufgetretene Entzündung der Bronchialschleimhaut. Diese führt zu Husten, Schleimproduktion und Fieber. Bestehen Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, ist die Definition einer chronischen Bronchitis (lt. WHO) erfüllt.

 

Virale Infekte sind die Hauptursache der akuten Bronchitis. Die wichtigsten Erreger sind Adeno- und Rhinoviren, Influenza- und Parainfluenzaviren, RSV und Coronaviren. (4)

Seltene Verursacher einer akuten Bronchitis können Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae oder Bordetella pertussis bzw. Bordetella parapertussis sein.

Akute Exacerbation einer COPD

Der Begriff COPD umfasst hier die chronisch obstruktive Bronchitis, das Lungenemphysem und deren Kombination, jedoch nicht das Asthma bronchiale. Eine akute Exacerbation liegt vor, wenn Dyspnoe, Husten und Auswurf zunehmen und dabei gelegentlich auch von Fieber oder Luftnot begleitet werden können.

Die häufigsten Verursacher einer akuten COPD-Exacerbation sind Infektionen mit Viren, Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae und Morxarella catarrhalis.

Eine mikrobiologische Sputum-Untersuchung wird bei häufigen Exacerbationen (mehr als 2/Jahr), bei Verdacht auf multiresistente Erreger, bei Therapieversagen oder schwerem Verlauf empfohlen. (4)

Pneumonie

Eine Pneumonie ist definiert als akute, meist mikrobiell bedingte Entzündung des Lungenparenchyms. Hinweisende Symptome sind Dyspnoe, Tachypnoe, auffällige Auskultationsbefunde (Rasselgeräusche, bronchiales Atemgeräusch) und Verschlechterungen des Gasaustausches. Husten und eitriger Auswurf können hinzutreten.

Bei der ambulant erworbenen Pneumonie sind Bakterien in über 90 % der Fälle die verursachenden Erreger. Dabei steht Streptococcus pneumoniae an der Spitze, gefolgt von Mycoplasma pneumoniae,  Chlamydia pneumoniae und Haemophilus influenzae. Auch Staphylococcus aureus, Enterobakterien, Moxarellen und andere Bakterien können, wenngleich seltener, Pneumonien verursachen. Diese Erreger werden zumeist durch kulturelle Anzucht nachgewiesen. Bei schwierig zu kultivierenden Erregern wie Mycoplasmen und Chlamydien erfolgt der Nachweis durch molekulardiagnostische Verfahren

Pneumonierelevante Virensind v.a. Influenzaviren, Adenoviren, RSV, Parainfluenzaviren, Enteroviren, Humane Metapneumoviren und Coronaviren.

Die wesentlich selteneren Pneumonien durch obligat pathogene Erreger werden z.B. durch Legionellen, Chlamydia psittaci (Erreger der Papageienkrankheit) oder Coxiella burnetii (Erreger des Q-Fiebers) verursacht.

Eine mikrobiologische Diagnostik empfiehlt sich zur kausalen Abklärung pneumonischer Symptome bei

  • vorangegangener Antibiotikatherapie
  • vorangegangener Krankenhausbehandlung
  • strukturellen Lungenerkrankungen
  • rezidivierenden Erkrankungen
  • Erkrankungen bei eingeschränkter Immunkompetenz
  • bei Hospitalisierung.  (3)

Stufenschema zur Diagnostik der tiefen Atemwegsinfektionen

Das am besten geeignete Untersuchungsmaterial ist dasjenige, das aus Arealen nahe am Infektionsherd stammt. Somit ist gut expektoriertes Sputum zu bevorzugen. Sollte es unmöglich sein, Sputum zu gewinnen, so ist für einige Fragestellungen auch die Einsendung eines Rachenabstrichs möglich.

 

Bei Einsendung von Sputum und Angabe „Infekt der tiefen Atemwege“ oder „Husten“:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

+ Untersuchung auf Chlamydien, Mycoplasmen, Bordetellen und Adenoviren sowie Influenzaviren (im Winter) oder Enteroviren (im Sommer)

+ Untersuchung auf Humane Metapneumoviren, Humane Bocaviren, RSV, Parainfluenzaviren

Bei Einsendung eines Rachenabstrichs und Angabe „Infekt der tiefen Atemwege“ oder „Husten“:

kulturelle Erregeranzucht zum Nachweis aerober schnellwachsender bakterieller Erreger

+ Untersuchung auf Chlamydien, Mycoplasmen, Bordetella pertussis und Adenoviren sowie Influenzaviren (im Winter) oder Enteroviren (im Sommer)

Bei entsprechender Indikation können zusätzlich auch Untersuchungen auf die Erreger von Q-Fieber, Papageienkrankheit, Tuberkulose, Legionellose und Pneumocystis jirovecii Pneumonie durchgeführt werden („großes Hustenprofil“). Auch Untersuchungen auf Aspergillen, Cryptokokken, Cytomegalieviren, Varizella-Zoster-Viren, Herpesviren und Masernviren können bei Bedarf durch uns durchgeführt werden.

 

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Akademiker unter der Telefonnummer 0340 – 5405337 gern zur Verfügung.

 

-       Ihr Labor -

 

 

 

(1) Mikrobiologisch-infektologische Qualitätsstandards:  Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege, Teil 1 und II; 2010

(2) S2k-Leitlinie 017/024: Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis aktueller Stand: 08/2015

(3) Mikrobiologisch-infektologische Qualitätsstandards:  Infektionen der tiefen Atemwege, Teil 1 und II; 2010

(4) DEGAM-Leitlinie Nr. 11: Husten Stand 02/2014



Veröffentlicht am: 2017-03-01 14:03:31